Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt - sieh sie Dir an.
Kurt Tucholsky, 09.01.1890 - 21.12.1935, dt. Schriftsteller

Donnerstag, 20. November 2008

Nachdem es die ganze Nacht durchgeregnet hatte, lichtete sich morgens der Himmel und die Sonne kam raus (siehe letzter Post). Auch das Wetterradar versprach gutes Wetter. Wir beschlossen also, die geplante Hinterland-Tour zu machen und peilten den Mt. Mee Forest an. Batida durfte natürlich auch mit - und sie genießt inzwischen diese Fahrten im Heck des Autos. Wir wollten dieses Mal von "oben" in den Forest fahren - und schlugen den Weg über Villeneuve ein. Wunderschönes Hinterland, verschlafene Farmen, sanfte Hügel und Täler ... am liebsten wären wir hinter jeder Kurve für einen genüsslichen Zwischenstopp stehen geblieben. Amüsant auch der Ideenreichtum der Australier in Bezug auf die Namensgebung ihrer Farmen. Eher langweilig muten große Schilder mit dem Namen der Bewohner oder ihrer Tiere an, wenn man dann an solchen Toren vorbei kommt:
In diesem Fall handelt es sich um eine Pferdezucht- und Ausbildungs-Stätte - und idyllischer kann man sich die Lage für solch eine Farm kaum vorstellen. Weit ab vom Schuss, mit etwa 1,5 bis 2 km im Umkreis zum nächsten Nachbarn und einem traumhaften Panorama-Rundumblick.
Wir hatten allerdings nicht nur freie Straßen, sondern auch durchaus ernst zu nehmende Straßenblockaden zu bewältigen. Hans machte aus sicherer Entfernung ein Foto aus dem Autofenster, dann wurde selbiges schnell hochgekurbelt, bevor wir uns mit gefühlten 1 kmh durch die Jungbullenherde tasteten, die den Weg versperrte - aber respektvoll gerade soviel Platz machte, dass zwischen den Tieren und den Aussenspiegeln allerhöchstens ein Straussenei gepasst hätte (ein anderer Größenvergleich ist mir bisher nicht eingefallen ;-) ).
Dann standen wir vor dem nächsten Hinderniss - allerdings wurde das von uns in Hinblick auf die doch recht reißende Strömung als unpassierbar eingestuft. Netterweise gabs wenigstens eine Messlatte, die einen einschätzen ließ, ob man es wagen konnte oder besser bleiben ließ.
Also zurück - natürlich wieder durch die Jungbullenherde durch - die wieder ein bisschen zur Seite rückten, um uns passieren zu lassen. Diesmal traute Hans sich sogar, das Fenster unten zu lassen. Aber ich glaube, so nah hat er wohl noch nie einem (echten) Rindvieh Auge in Auge gegenüber gesessen.
Andere Straßenblockaden erwiesen sich da als weniger angsteinflössend - und machten sich flugs aus dem Staub, als wir den Motor ausstellten und Hans ausstieg, um eine Nahaufnahme zu machen. Schade...
Auf der nächsten auserkorenen Strecke standen wir wieder vor einer überfluteten Brücke. Hier war die Strömung offensichtlich nicht ganz so reissend und Hans testete, ob wir es wagen konnten, hindurch zu fahren. Der Radstand ist ja eigentlich hoch genug, ist ja kein PKW - dachten wir...
Mit einem morschen Stock tastete sich Hans über die asphaltierte Brücke...
... und drüben angekommen war er bis über die Knien nass. Zu viel bzw. zu hoch für uns, beschlossen wir. Wenn wir da durchfahren, haben wir das Wasser im Innenraum, war unsere Befürchtung - also ließen wir es bleiben und wählten eine 3. Alternativ-Route. Praktisch ist, dass selbst die Feldwege - sofern sie auf den Karten verzeichnet sind - Namen haben und so kann man sich eigentlich nicht wirklich verirren, wenn man nicht auf Wegen abbiegt, die in der Karte nicht verzeichnet sind.
Daher haben wir dann auf der Strecke, die wir auf unserer ersten Mt. Mee Tour im September gewählt hatten, auch ohne Probleme doch noch das Rocky Hole gefunden, in dem Hans und Batsi eigentlich eine kleine Erfrischung nehmen wollten.
Nach den Unwettern der letzten Tage war aber auch dieser kleine Wasserfall zu einem ziemlich reißenden Etwas geworden, ausreichend schlammig war er ausserdem und das Wasser lud nicht unbedingt zum Bade ein. Also ließen es beide bleiben und wir genossen einfach die Natur.


Da Hans aber unbedingt noch irgendwo ein Bad nehmen wollte, beschlossen wir, nach Bribie Island an den "Hunde-Strand" zu fahren. Also bummelten wir einmal quer durchs Hinterland und auf den idyllischen Nebenstrecken über Serpentinen mit fantastischen Ausblicken in Richtung Küste.
In der Ferne winkten die Glass House Mountains... und am Strand haben wir dann einen ruhigen genüsslichen Nachmittag verbracht, leckeren frischen Fisch verspeist und uns die Sonne auf den Bauch scheinen lassen.
Gestern abend haben wir dann doch noch den Verursacher der von der Lautstärke her schon an Ruhestörung grenzenden Nachtmusik ausgemacht. Hier ist der kleine Geselle:
Er hatte sich als Bühne die 80 cm hohe Beeteinfassung des Terrassenbeetes ausgesucht - und flüchtete, als wir den Versuch unternahmen, ihn einzufangen, um ihn unten an der Straße am Creek wieder auszusetzen. Also war auch diese Nacht nicht unbedingt leise und der Lärm wurde dann "nur" von dem nächtlichen Gewitter mit starken Regenfällen übertönt.

Inzwischen ist es Donnerstag Morgen - die Sonne lacht, der Himmel ist blau wie eh und je - auf in den Tag, Richtung Maleny.

Mittwoch, 19. November 2008

Das Wetter war auch gestern noch sehr feucht, um es mal vorsichtig auszudrücken. Nicht wirklich geeignet, um sich freiwillig zu irgendwelchen interessanten Ausflugszielen zu begeben - denn nach den bislang hier runter gekommenen Wassermassen gab und gibt es mit Sicherheit so einige Sperrungen wegen Überflutung oder durch das Unwetter am Sonntag umgestürtzte Bäume.

Also haben wir einen weiteren "Haushalts-Tag" eingelegt und uns was Leckeres g
egönnt. Da waren ja noch diverse Test-Objekte im Vorratsschrank. Die glutenfreien Schoko-Muffins waren zwar nicht ganz so groß wie auf der Verpackung, aber genauso hübsch - und ausgesprochen lecker!
Gegen Abend begannen dann die in den Garten eingewanderten Kröten und Frösche ihr Konzert - und nach der Lautstärke zu urteilen, hatten sie mindestens Dackelgröße. War das ein Radau! Nur leider waren sie nicht zu orten, denn jedes mal, wenn wir mit der Taschenlampe die Büsche absuchten, verstummte der Lärm. Ich legte Simon nahe, ja aufzupassen, dass er nicht von einem der Tierchen als Nachtmahl verspeist wird, wenn er auf der Terasse sein Zigarettchen raucht ;-) Batida traute sich überhaupt nicht von der Veranda-Tür weg, ihr war diese seltsame Musik offensichtlich auch mehr als unheimlich.

Heute früh schien dann endlich mal wieder die Sonne, nach dem es auch die ganze Nacht hindurch noch geregnet hatte. Durch den Garten kommt man im Moment nicht unbedingt trockenen Fusses, die Billabongs laufen nicht ab, sickern auch nicht weg (dafür ist der Boden nicht durchlässig genug) und wir müssen wohl oder übel warten, bis die Sonne sie verdampft hat.
So dicht wie derzeit war unser Holzeimer selbst in seinen besten Zeiten nicht - er ist von dem vielen Regen dermaßen aufgequollen, dass das Wasser, was aus den Wolken kam, drin stehen bleibt. Und auch in den Beeten steht das Wasser.
Australien ist der trockenste Kontinent - hm, also im Moment ist er so feucht (zumindest hier in unserer Ecke), dass die Wäsche seit 2 Tagen auf dem Wäscheständer in der Garage hängt, ohne wirklich zu trocknen, weil die Luftfeuchtigkeit einfach zu hoch ist. Wir haben zwar unseren Wäschetrockner mitgebracht, aber der ist momentan "Not in Service" ... jedesmal, wenn wir ihn anstellen wollen, fliegt die Haupt-Sicherung im Haus raus. Vermutlich braucht er mehr Strom, als das Stromnetz unseres Domizils zu geben bereit ist ;-)

So, mal schauen, was das Wetterradar so zu berichten hat - und dann gehts vielleicht mal wieder raus in die Natur.

Montag, 17. November 2008

Sonntags ist "Ruhe"-Tag, in der Jugendsprache auch "chillen" genannt. Also wurde erst mal ausgeschlafen, in Ruhe gefrühstückt - und dann beschlossen, einen netten Strand in nördlicher Richtung aufzusuchen. Das Wetter war ausgesprochen herrlich - sonnig, heiß ... An der Küste entlang pirschten wir uns von Strand zu Strand - und hielten garnicht erst an, wenn wir die Menschenmassen schon aus dem Auto wahrnahmen. Natürlich war es überall dort überlaufen, wo der Strand von Lifeguards bewacht wurde. Was uns nicht sooo wichtig war, wir wollten ja einfach nur entspannen - und keine Surf-Kurse belegen oder sowas... Peregian Beach war sowas von leer, das war dann unser Strand!
Links keine Menschenseele - rechts keine Menschenseele... in der Ferne Alexandra Headlands /Mooloolabah...
... auf dem Wasser ein paar Kitsurfer (oder was auch immer die da tun) - die waren innerhalb weniger Minuten auch verschwunden...Also haben wir unser Sonnenschrimchen aufgespannt und dann gabs für die Männer kein Halten mehr. Die Wellen waren herrlich (und heftig) - nach 2 Stunden kam dann der erste an Land gekrackselt.Das Body-Board von Pascal musste für Spielereien herhalten. Hans lieferte mir einen Auszug aus Schwanensee ... glaub ich.Wieder rein in die Wellen - und noch ein bisschen genießen, bevor es dann nach Hause ging.Im Sand rund um unsern Liegeplatz war ein reges Treiben. Unzählige kleine Krabben - nicht größer als ein 50 Dollar-Cent-Stück - flitzten über den Sand in Richtung Dünen.Perfekte Tarnung - solange man sich nicht bewegt!Abschied vom "Privat"-Strand... der Himmel begann gegen halb 3, sich zuzuziehen - und noch wussten wir nicht, was das bedeutet.Nach einem kurzen Stop in Maroochydore - geplant war ein gemütliches Abend-Barbie mit frischem Baramundi usw. - standen wir dann kurz nach der Auffahrt auf den Highway im Stau. Ohne ersichtlichen Grund trudelten wir in der Kolonne mit 30 kmh ne halbe Stunde lang dahin... und auf einmal ahnten wir, warum es nur so stockend läuft. Noch waren wir fasziniert von dem Wolkenspiel.
Dann wurde es dunkler (obwohl es grad mal kurz nach 4 war), es wurde windig - und ging immer noch stockend voran. Mehr als 40 kmh waren nicht drin.
Und gegen halb 5 wurde es dann richtig gruselig. Wir fuhren direkt in das heftigste Unwetter rein, was wir je erlebt hatten (sowas kannten wir in den Ausmaßen bislang selbst aus Deutschland nicht).
Aus einem schwarzen Himmel wurde ein grüner - immer dann, wenn ein Blitz aufleuchtete (also ständig).Und dann kam der Regen...
... und gegen 5 der Sturm und die Dunkelheit. Die ersten Fahrzeuge waren inzwischen auf den Standstreifen gefahren und standen da mit Warnblinkanlage, in der Hoffnung, das ganze einigermaßen unbeschadet zu überstehen. Wir fuhren weiter, unser Ziel greifbar vor Augen...... mit weniger als 30 kmh ...
Kurz vor 6 erreichten wir Morayfield - und in dem Moment, wo wir einfuhren, gingen die Ampeln aus, der Strom war weg. Aus allen Richtungen hörte man Feuerwehr- und Polizeisirenen, die Straßen waren überflutet und aus dem Grund teilweise gesperrt.
Wir habens auf der richtigen (freien) Straßenseite grade noch so bis nach Hause geschafft - vorbei an auf den Stromleitungen liegenden Eukalyptusbäumen (schnell wech) und rein ins Trockene.
Da wir ja keinen Strom hatten (wie alle andern auch nicht), musste Simon tatsächlich den Grill anschmeißen - und so haben wir dann ein BBQ bei Candle Light gemacht. War gemütlich, sehr lecker und so früh sind wir schon lange nicht mehr im Bett gewesen.Wir hatten das schwerste Unwetter seit 25 Jahren, haben es aber alle unbeschadet überstanden ... nur unser Billabong ist noch nicht abgeflossen. Bruni hat es nicht so unbeschadet überstanden, sie hatte einen Unfall (bei dem sie noch glimpflich davon gekommen ist, weil der Baum auf dem Highway die Freundlichkeit besaß, 10 m vor ihr auf die Fahrbahn zu fallen - währe sie statt der 30 kmh 40 oder mehr gefahren, hätte er sie vermutlich direkt erwischt), das Auto ist in der Werkstatt... und sie hatte das Wasser im Wohnzimmer. Inzwischen ist zwar alles wieder trocken, aber die Aufregung legt sich wohl erst in den nächsten Tagen.

Heute war Ruhe- und Putztag - morgen gehts ins Hinterland, wenn das Wetter mitspielt.

Samstag, 15. November 2008

Samstag - Eumundi-Markt-Tag! Das Wetter passte und wir hatten für diesen Tag das nördliche "Hinterland" der Sunshine Coast angepeilt. Mit allem, was einem da so unter die Räder und vor die Linse kommt. Also ging es - wieder pünktlich 8 Uhr - bei strahlendem Sonnenschein und sich in der Ferne verziehenden Wolken erst mal in Richtung Glass House Mountains Lookout. Überwältigendes Panorama (nicht das letzte an diesem Tag!) und ein Fernblick bis zum Pazifik. Wir waren die ersten frühen Gäste und fuhren weiter, als die ersten "Touris" das Plateau stürmten.
Den Eumundi-Markt erreichten wir gegen 10. Die Sonne meinte es gut, ein cooler Hut musste her. Und mit dem eisgekühlten Ginger-Beer (natürlich vom Händler selbst gepanscht) konnte man es dann aushalten (dabei handelte es sich aber keinesfalls um Bier, sondern einfach um leckere durststillende Limonade mit einem leicht scharfen Nachgeschmack).Das Angebot jeglicher Waren auf diesem süßen Markt war wieder genauso reichlich wie der Besucherstrom...... so dass wir nach 1,5 Stunden auch hier das Weite suchten und Kühlung im schattigen Regenwald erhofften. Denn nicht jeder wollte sein Haupt so kreativ bedecken wie dieser "Wasserlilien-Flechter" ;-) (das da in dem Hut-Nest sind die Rasta-Locken des Knaben...)Der Booloumba View im Kenilworth Forest liegt ziemlich hoch über dem Meeresspiegel und gewährte uns einen traumhaften Rundblick in einer sanften erfrischenden Brise.
Auf der 4WD-Strecke gings weiter zu den Booloumba Falls - quer durch den australischen Busch, sozusagen. Von dem dann erreichten Parkplatz führte ein Pfad durch den Wald zu den Wasserfällen, die natürliche Pools bildeten und zum Bad einluden.
Die Olsenbande auf dem Weg zum Rock-Pool ... im Gleichschritt Marsch!
Wat? Wie? ... Weiter gehts.
Nach 1,5 km erhaschten wir einen ersten Blick auf das kühle Nass.Jugend forscht - aber leider erfolglos. Was sich da auf dem Stein sonnte, haben wir nicht rausbekommen, irgendein Insekt wars auf jeden Fall (ein nicht zu kleines, aber mangels Foto können wir das jetzt leider auch nicht mehr klären).

Rein ins Wasser - angenehm temperiert haben es die Männer hier ne ganze Weile ausgehalten.
Am frühen Nachmittag meldete sich dann der Hunger und wir traten den "Heimweg" an - über Mapleton nach Montville. Da waren sie wieder, die beeindruckenden Ausblicke bis hin zum Pazifik ...
In den Fensterscheiben spiegelte sich das Panorama.
Wir genossen den Spaziergang durch diese süße kleine Bergstadt - auf der Suche nach einem leckeren Abendessen...... und wurden in einem kleinen putzigen italienischen Restaurant freudestrahlend von der Bedienung empfangen. Wir dachten erst, wir sind dann die letzten Gäste, alle anderen Restaurants entlang der Straße schlossen entweder gerade oder waren leider "today fully". Doch nein, wir waren eher die Ersten, so nach und nach füllten sich die Tische. Nach einem leckeren Essen mit frischem Seafood gings zurück durchs abendliche Montville. Die weihnachtliche Schaufenster-Deko rief uns ins Gedächtnis, dass ja bald Heiligabend ist - unglaublich, es war ein so herrlich warmer und würziger Frühsommer-Abend.Nach 12 Stunden kehrten wir zu Hause ein und nicht nur Hans war begeistert von den vielen schönen Eindrücken des australischen Hinterlandes.