Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt - sieh sie Dir an.
Kurt Tucholsky, 09.01.1890 - 21.12.1935, dt. Schriftsteller

Sonntag, 3. Januar 2010

29.12.2009
Nachts gab es ein herrliches Gewitter, aber gegen Morgen hatte sich das verzogen. Wir besuchten die "Stockman Hall of Fame", ein Museum, in dem man alles über die Besiedlung Australiens durch die Europäer und einiges über die Aborigines erfährt. Und man bekommt einen Einblick in den harten Alltag der Viehtreiber und Farmer-Familien mit unendlich vielen teils über hundert Jahren alten Ausstellungsstücken, vielen authentischen Geschichten und einer Menge Filme, die über das Leben damals und heute berichten. Ein tolles Museum ...



Simon zeigt auf Brisbane, Pascal auf Longreach. Ganz schöne Strecke, zumal wir ja nicht den Luftweg genommen haben ;-)



Diese volle Kutsche eines Gemischtwaren-Händlers war nicht das einzige hochinteressante Ausstellungsstück. Und das gravierte Emu-Ei ist ca. 80 Jahre alt.

Mittags verabschiedeten wir uns von Longreach machten uns auf zum eigentlichen "Ziel" dieses Urlaubs. Denn Simon und Pascal hatten ja vor, in den "Gemfields" westlich von Emerald nach Edelsteinen zu suchen. Nächstes Ziel war nun Sapphire. Wir kamen durch Barcaldine mit einem einladenden Hotel am Straßenrand. Nee, sorry, wir müssen weiter.

und wurden am Ortsausgang wieder einmal (wie schon so oft auf unserer Tour) vor Vieh auf zaunlosen Straßen gewarnt. 

Am Straßenrand tauchten nicht nur wiederholt die Emus und Känguruhs auf, sondern auch Dromedare, die aber netterweise NEBEN den Straßen ihrer Wege gingen. Es dauerte trotzdem keine halbe Stunde, und wir standen. Und zwar vor einer Rinderherde, diesmal stilvoll getrieben von Jillaroos (Cowgirls) und Jackaroos (Cowboys). Den Anblick genossen wir erst mal eine Weile, hat ja auch was!


Dann erreichten wir Jericho. Genau - und dazu mussten wir nicht einmal den Kontinent wechseln ;-) Kaum hatten wir das Gespann geparkt und die Türen geöffnet, schallte es einladend von der anderen Straßenseite "Free beer in the Pub!!!".

Hm, normalerweise gern, aber wir hatten ja noch ein Stückchen Weg vor uns, also lehnten wir schweren Herzens ab. Es war Zeit für ein Nachmittags-Päuschen und ein Eis. Ausserdem war Jericho nicht nur super süß und klein (ca. 200 Einwohner), sondern rühmt sich auch, das kleinste Drive-In-Autokino Australiens zu besitzen. Na, das wollten wir uns natürlich ansehen. Und hätten es fast ÜBERSEHEN. 36 Plätze hat es (steht im Reiseführer) ...hier ist es:

Niedlich, oder? Zumal ich solche Kinos bislang nur aus Filmen kannte. Das Häuschen mit den öffentlichen Toiletten ist liebevoll bemalt.

Im Shop gabs nicht nur Lebensmittel, sondern auch jede Menge Souveniere und - im hinteren Bereich ein kleines privates Museum, in das wir freundlich eingeladen wurden.


Es war kurz vor 4, wir hatten noch ungefähr 300 km vor uns und so verabschiedeten wir uns nach einer halben Stunde von der Ladenbesitzerin und nahmen wieder den Highway unter die Räder.

Gegen 7 erreichten wir unser heutiges Ziel: Sapphire, ein kleines Kaff mitten in den Central Highlands und mitten in Edelsteinfeldern. Mit eindeutig mehr 4- als 2-beinigen Bewohnern selbst mitten im Ort. Wir buchten im "Blue Gem Caravan Park" ein und machten uns "seßhaft". Das nächste Gewitter nahte. Also Zelt aufbauen, bevor der Regen kommt - und dann erst mal ausatmen und den kleinen Barbie anwerfen, um das Abendessen zu grillen.
Während unserer Abwesenheit gab es auch hier an unserer Küste ausgiebige Niederschläge. 40 mm hat unser Regenmesser gemessen. Und inzwischen ist hier ein heftiges Gewitter mit sintflutartigem Regen herunter gekommen - brachte 50 mm Regen, oder - in unserer neuen Maßeinheit gemessen - eine Poolfliese Wasser. Mel, ich glaube, du hast recht, nun hat die sogenannte "wet season", die Regenzeit, eingesetzt. Und wir hatten mit dem Wetter auf unserer Tour doch mehr oder weniger wieder einmal wie schon so oft "Schwein". ;-)

28.12.2009


In der Nacht störten und weder Rindviecher noch sonstige Bewohner dieser weitläufigen Gegend. Einzig ein paar Vögel hörte man die ganze Nacht hindurch bis zum Morgengrauen zwitschern, aber sowas stört UNS ja nun nicht wirklich. Während Batida versuchte, das Outback aufzuräumen, genossen wir ein leckeres Frühstückchen.



Und gerade, als wir quasi fertig zur Weiterfahrt waren, entdeckte Pascal den platten Reifen. Was bedeutete: Alles aus dem Heck des Autos raus räumen, um an den Wagenheber ran zu kommen (praktischer Weise hat Herbie ja sein Ersatzrad an der hinteren Wagentür). Frei nach dem Motto: "Irgendwas kann jeder" hatte Simon dann innerhalb von 10 min den Reifen gewechselt (Auto aus- und wieder einräumen nicht mit gerechnet). In dem Reifen steckte ein Nagel - den fand Simon sofort. Und später stellte sich heraus, dass eine Menge Knochensplitter (vermutlich von den vielen Kadavern, die auf der Straße lagen und denen man eben nicht IMMER ausweichen konnte) zusätzlich den Reparaturversuchen des Reifendienstes die Krone aufsetzten. Natürlich haben sie es hinbekommen - und für die Tour bis nach Hause reichte er als Reserverad aus.



Dann gings aber endlich weiter in Richtung Longreach und gegen halb 11 erreichten wir das süße Outback-Städtchen, Heimat von QANTAS, gespickt mit vielen Sehenswürdigkeiten / Museen und mit einem unvergleichlichen Charme.




Dieser Campingplatz war hundefreundlich (laut unserem "Holiday with Dogs" Reiseführer) und wir fanden schnell ein Plätzchen. Der Inhaber war genauso urig wie der Platz. Herrlich gemütlich.



Diese Temperaturen kannten wir ja nun schon von der Küste, hat uns also nicht wirklich geschockt. Aber trotzdem: irgendwie schwitzt man im Outback doch "anders" - es ist nicht so stickig und schwül. Klar, der Schweiß läuft trotzdem, aber wider Erwarten hatten wir hier mit den Temperaturen viel weniger Probleme.
Nachmittags erforschten wir das QANTAS Museum und gönnten uns diverse Führungen durch die Maschinen, die auf dem Hangar des Museums standen. Das Museum liegt direkt neben dem Flughafen. Irgendwie logisch ;-)





Wir stehen "hier" in einer der Turbinen einer Boeing 747-200. Das Fahrwerk ist auch nicht zu verachten. Reifenwechsel? Dann doch lieber an unserem Herbie. ;-)



Okay, Pascal. Über 900 Schaltknöpfe in diesem Cockpit. Ich würde mal sagen: Fang schon mal an zu üben, wenn du wirklich Pilot werden willst.

Nach dem vielen "Lernen" im Museum gabs Pizza, natürlich selbst gekauft. Bei der Gelegenheit ein bisschen Stadtbummel in Longreach, immer hin knapp 3.700 Einwohner zählend. Der Bahnhof ist nicht das einzige Schmuckstück in diesem Örtchen (das genau genommen bevölkerungsmäßig mit Beachmere gleich zu setzen ist).


Auch die Einkaufsmeile ist niedlich - im typischen Stil viele Outback-Städtchen. Leider haben eine Menge Geschäfte Weihnachtsferien.


Werden hier Merinoschafe gebacken? *grins*


Weiter gehts oben mit dem 29.12. (und ja, die Pizza von Eagle Boys war natürlich sowas von lecker. Hmmmm).

Samstag, 2. Januar 2010

So. Und nun gehts weiter. Wir sind aus dem Outback-Urlaub zurück, der leider viiiieeel zu kurz war, und haben jede Minute ausführlich genossen. Unsere Tour war für die nur 9 Tage doch ziemlich gewaltig, so im Nachhinein betrachtet. Aber wir haben eine Menge gesehen und nicht nur über Land und Leute, sondern auch übers Campen viel gelernt (vor 2 Jahren mit einem Wohnmobil, diesmal mit einem Zelttrailer - dazwischen liegen wirklich WELTEN).

27.12.2009
Wir hatten den Regen ja auf der ganzen Tour immer wieder dabei, und auch in Charleville gab es ausgiebige Niederschläge, wie schon weiter unten kurz berichtet. Simon und Pascal haben sich die Sternenwarte angesehen und eine interessante 3stündige Privat-Führung (auf Grund mangelnder Gäste) genossen. Am 27.12. wird alles für die Weiterfahrt vorbereitet. Eigentlich wollten wir das Bilby-Zuchtcenter noch besuchen, aber es ist leider an Wochenenden und Feiertagen geschlossen. Schade. Beim nächsten Mal also! Unser kleines mobiles Zuhause war dicht, es regnete nirgends durch - das kannten wir ja von diversen Veranstaltungen auf deutschem Boden durchaus auch anders. Von den dazu gehörigen Temperaturen mal ganz abgesehen. In Charleville hatten wir angenehme 25°C und teils 100% Luftfeuchtigkeit.


Man fährt also knappe 800 km ins LANDESINNERE, um eine Beach-Party-Einladung zu finden. Toll! ;-) Und was uns irgendwie ebenfalls verfolgt, sind Gartenzwerge ...




Die Männer besorgten Eis (für die Kühlung des Esky und für die Kühlung des Gaumens) - und dann gehts es weiter in Richtung Longreach. Unser nächstes "großes" Ziel auf unserer Tour. 


Die Sittiche, die hier rumflattern, haben wir an der Küste noch nicht gesehen. Hübsche, farbenfrohe Gesellen!
Wir stoppten in Tambo, weil ich eigentlich in den kleinen Teddie-Shop wollte, in dem Teddies von Hand aus Schaffell gefertigt werden. Doch leider standen wir auch hier vor verschlossenen Türen. Also auch hier: beim nächsten Mal! 


Neben dem Einfallsreichtum in Sachen "Briefkasten" liebe ich an den Australiern ja auch die  Ideen für die gerade im Outback wirklich hübschen Ortseingangsschilder.

Wie gesagt, der Teddie-Shop hat leider zu - also gehts weiter. Am Straßenrand finden sich Kakteen, so groß wie Bäume.

Und unendliche Weite bis zum Horizont und ... natürlich auch bis zum nächsten Ort. Teils kamen uns stundenlang keine Autos entgegen, kein Anzeichen von Besiedelung, abgesehen von den Rindern und Ziegen auf den riesigen Weiden. Um so faszinierender wirken dann die Gewitter, die sich um einen herum zusammen brauen, man fühlt sich irgendwie wie auf einem einsamen Planeten. Und dabei sind wir noch nicht mal richtig drin im OUTBACK.





Einsame Highways auf dem Weg ins Outback. Ohne Gefahr kann man am Straßenrand ein Päuschen einlegen und den süßen Duft von Känguruh- und anderen Kadavern "genießen", der uns während unserer gesamten Tour begleiten sollte. Irgendwann kam dann sogar der Punkt, wo wir was vermissten, als wir am ersten Tag des neuen Jahres bei Emerald dann wieder Richtung Heimat abbogen - wobei wir uns nicht sicher waren, ob es die Trilliarden Fliegen oder der Mundgeruch des heißen Outbacks war ;-) Wildschwein gefällig?



Wenn die Apotheke sich "Outback-Apotheke" nennt, dann kann man wohl mit Fug und Recht behaupten, das Outback erreicht zu haben ;-)


Rund herum kamen immer wieder schwere Regengüsse runter, aber bis zu unserem nächtlichen Rastplatz blieben wir selbst von solchen Einlagen verschont. Und es blieb auch weiterhin trocken auf der Straße. Zum Glück ...

Die Straßen waren aber auch ohne Regengüsse teils temporär unpassierbar: Pferde- und Rinderherden, Schafe, riesige Echsen, Emus, natürlich auch Känguruhs - all diese Tierchen sahen oft garnicht ein, dass sie mal n bisschen "Rücken" müssen, damit wir durch kommen. Wir bewegten uns auf Straßen, die einfach keine Zäune besaßen. Alles lief hier hinten frei rum. Wenn das kein glückliches Viehzeug ist, weiß ichs auch nicht.




Wir beschlossen, die nächste Nacht im Outback direkt zu verbringen. Bis nach Longreach schafften wir es nicht, die Strecke war zu weit. Also taten wir das, weshalb wir eigentlich unterwegs waren: In der Wildnis campen. Und so schlugen wir unsere Zelte nördlich von Isisford auf, ca. 20 km hinter dem kleinen Kaff (mehr ist das wirklich nicht, aber niedlich ist es trotzdem).


Wir hatten zwar keinen sternenklaren Himmel, aber doch immerhin einen tollen Sonnenuntergang und eine sowas von ruhige Nacht!!! Was am nächsten Morgen passierte ... lest ihr weiter oben. Jetzt brauch ich erst mal ne Mütze voll Schlaf. Bis denni.



... das wünschen wir unserer Familie, unseren Freunden und allen Lesern dieses Blogs.
Happy New Year!!!

Samstag, 26. Dezember 2009


Viele Grüße aus dem Urlaub. Nun sind wir auf "Tour" ... gestartet am 25.12.2009 um 7.00 Uhr morgens. Vor uns liegen etliche Kilometer in Richtung Outback. Zuerst gilt es, die Great Dividing Range zu überqueren. Wir fuhren über Kilcoy und Dalby weiter nach Roma, ließen dieses Mal auch Mitchell (den Ort unserer ersten Outback-Übernachtung vor einem Jahr) "links liegen" und pirschten uns tapfer weiter vor. Wir wollten am ersten Tag so weit wie möglich kommen, um uns dann in den nächsten Tagen in aller Ruhe hier herum treiben zu können.

Unterwegs hatten wir nicht nur spektakuläre Wolkenformationen am Himmel, sondern natürlich auch Regen. Klar ... war ja zu erwarten. Aber macht nix, nicht nur wir freuten uns über das lebenspendende Nass, überall, wo wir hielten, freuten sich die Leute über den Regen.

Endlose Weiten begrüßten uns schon kurz nach Dalby, abgeerntete Felder und Rinderweiden, soweit das Auge blickte.

Regen im Outback ... und Wallabies am Straßenrand.



Der Regen färbt die rote Erde dunkelrot. Wir sind absichtlich am Weihnachtsfeiertag gestartet (hier ist ja nur am 26.12 wirklich FEIERTAG), weil wir auf leere Straßen hofften. Und bis auf ein paar Road Trains, diese riesigen Outback-Trucks, hatten wir wirklich kaum Verkehr auf der Straße. Eine weise Entscheidung also!

Wir scheuchten nicht nur die kleinen und großen Känguruhs am Straßenrand auf, sondern auch einige Emus, wilde Ziegen und jede Menge Rinder grasten entlang der Pisten. Nach knapp 11 Stunden (mit einigen Pausen) und ca. 800 km erreichten wir unser Etappenziel: Charleville. Eine süße kleine "Westernstadt" (Pascals Worte) im Südwestlichen Queensland. Alte Gebäude, die teils über 100 Jahre auf dem Buckel haben, breite Straßen - klar, genug Platz ist ja hier - und eine Population von ca. 3.500 Menschen. Sowas nennt man in Deutschland "Dorf", in Australien "Städtchen". Wir fanden einen hundefreundlichen Campingplatz, einen von 3 diesbezüglich ausgewiesenen (keine Spur von der Hundunfreundlichkeit, die die Leute hier  im Hinterland angeblich an den Tag legen sollen), und schlugen das Zelt auf. Kaum stand alles, kam das Gewitter runter, was sich schon seit Stunden angekündigt hatte. Und es regnete die ganze Nacht. Wir bleiben auch heute noch hier und fahren dann morgen weiter in Richtung Longreach. Inzwischen hat sich das Wetter gebessert, wir haben Charleville unter die Lupe genommen, der hiesigen Sternenwarte einen Besuch abgestattet und genießen den ruhigen Rhytmus, der hier hinten im Outback an der Tagesordnung ist.


An dieser Stelle danke an alle, die uns ihre Weihnachtsgrüße geschickt haben. Das Internet ist ziemlich langsam hier im öffentlichen Internetzugang auf dem Campingplatz, so dass ich das Beantworten der Mails auf das neue Jahr verschiebe.

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Autofahren kann mitunter ziemlich amüsant sein. Auch hier in Australien ;-) Also ich persönlich fahre ja unheimlich gern Auto, am liebsten selbst, notgedrungen auch als Beifahrer, wenn meine bessere (?) Hälfte mit von der Partie ist, von der Meinung besessen, dass Frauen nur dann gute Autofahrer sind, wenn die Männer aus irgendwelchen innerbetrieblichen Problemen heraus (meistens nach gemütlichen Feierlichkeiten etc.) nicht mehr selbst fahren können oder dürfen oder sollten. Zum Glück ist Simon da ja ziemlich strikt, wenns um die Einhaltung der Verkehrsregeln geht - und trennt fahren und Bierchen trinken konsequent. Andererseits trinkt er relativ selten ein Bierchen, was wiederum auch nicht sooo schlecht ist.

Zurück zum Thema, über das ich eigentlich faseln will. Wir wohnen zwar in einem Ballungsgebiet, verglichen mit der Besiedelungsdichte des restlichen Kontinents (die Ostküste ist ziemlich voll, doch, das kann man schon so sagen) - wobei unser Village ja mit knapp über 3.000 Einwohnern, Tendenz rasant steigend, herrlicht ruhig liegt und von dem Ballungszentrum an sich hier noch nicht viel zu spüren ist - aber dennoch oder genau deshalb zieht sich die Fahrt bis zum nächsten lohnenden Einkaufszentrum trotz freier Bahn bis zu circa. 20 min. Genug Zeit also, dem Gedudel im Autoradio zu folgen. Es ist Weihnachtszeit (ach!!!) und natürlich macht alle Welt Werbung für die letzten Weihnachtsschnäppchen in irgendwelchen Shops. Das Autoradio ist ja schon von Anfang an mein treuer Freund und Helfer beim Erlernen nicht nur der englischen Sprache, sondern vor allem auch des QUEENSLAND SLANG, also dem hier vorherrschenden Dialekt. Man versucht mit aller Macht, den Sinn eines vor Abkürzungen nur so strotzenden Satzes zu erfassen. Bis man das geschafft hat, vergehen mitunter je nach Thematik schon mal einige Minuten ... *räusper*. Heute also beim Weihnachts-Werbe-Block ein neues Wort (jippie). Chrissi-Shopping. Chrissi-Shopping??? Jawoll. Natürlich dauerte es diesmal nur einen Wimpernschlag, bis ich die ausgesprochene Variante dieses Wortes im Kopf hatte - war ja naheliegend: Christmas Shopping.

Ich habe allerdings überhaupt keine Ahnung, wieso um alles in der Welt "Christmas Shopping" noch einer Abkürzung bedarf. Ich mein, wenn ich das durch zähle, komme ich bei Christ-mas-shop-ping auf dieselbe Silbenzahl (nämlich 4) wie bei Chris-si-shop-ping. WO ist da der Sinn? Soll dem ganzen Hinter-dem-letzten-Geschenk-Hergehetze der Stress und die Nerverei genommen werden? Ein Schmunzeln hat es MIR entlockt, aber kommt das bei eingefleischten Aussies auch so an? Hm. Ich hab mir jetzt mal die Mühe gemacht, und die mir bekannten (aber teils wegen zu wenig Gebrauch oft vergessenen) Abkürzungen zusammen zu tragen. Nur mal so, damit Ihr da oben im Norden nicht ganz so dumm da steht, wenn es Euch doch mal hier her verschlägt. Dann habt Ihr das eine oder andere schon mal gelesen, oder gehört, und fühlt Euch vielleicht doch schneller wohl hier ;-) Auf gehts - und bitte keine Beschwerden, weil es nicht alphabetisch geordnet ist. Ich schreibe das jetzt so, wie es mir grad in den Kopf kommt, sortieren könnt Ihr selbst, wenn Ihr das braucht:
  1. Aussi - der normale Australier an sich nennt sich gern so, wird aber auch vom Rest der Welt oft so betitelt. Ab und an wird aber auch Australien selbst so bezeichnet.
  2. OZ - steht für Ozeanien im Allgemeinen (also gehören unter anderem auch Tasmanien und Neuseeland dazu).
  3. Roo - bezeichnet ein Känguruh
  4. Croc - steht für Crocodile
  5. Telli - ist der Fernseher, Television, TV ... 
  6. Brekki - natürlich das Frühstück = Breakfast
  7. Barbie - oder auch BBQ ist wohl die bekannteste aller Abkürzungen. DER GRILL und das ganze Prozedere drum herum (es gibt ja Leute, die behaupten, Frauen hätten am Barbie rein garnichts verloren ... komisch, mit dem Barbie können die Kerle umgehen, aber wehe sie sollen Kartoffeln auf dem Herd kochen, da stoßen dann doch viele an ihre Grenzen, frei nach dem Motto "einmal dumm gestellt reicht fürs ganze Leben").
  8. Vegies - damit sind Vegetable gemeint, also Gemüse (kommt auch gern mit aufs Barbie)
  9. G'day - Good day ... 
  10. Brissi (Brizzi) - Brisbane ... ich überlege grad, ob es für die anderen australischen Großstädte auch Abkürzungen gibt, aber irgendwie fällts mir grad nicht ein
  11. Arvo - afternoon ... nachmittag
  12. Avos - sind die Avocados (igitt, ich komm an das Zeugs nicht ran, egal wie gesund die sind)
  13. B.Y.O. - bring your own = in Restaurants ohne Alkoholausschanklizenz kann man sich seine eigene Flasche Wein oder Bier mitbringen und diese zum Essen genießen. Diese Abkürzung wird aber auch gern bei Einladungen verwendet, da es hier ein (wie wir finden) angenehmer Brauch ist, dass zu einem Barbie bei Freunden jeder sein eigenes Zeugs mitbringt. Das sorgt dafür, dass der Geldbeutel des Gastgebers geschont wird und ausserdem weiß man, was man isst (weil vielleicht die Auswahl des Gastgebers nicht auf den eigenen Geschmack treffen würde).
  14. Cozzie - Badeanzug (vergess ich immer wieder. Was hieß doch gleich noch mal Bikini??? *grübel)
  15. Esky - die Kühlbox (ob nun elektrisch oder nicht), die man eigentlich immer mit dabei hat, um Getränke und Speisen sowie auch (spontane) Einkäufe kühl zu halten. Die Dinger gibts sogar mit Rollen zum "Hinterherziehen", wenn man zum Barbie-Platz nen weiteren Weg zurück zulegen hat, vom Auto aus gesehen.
  16. Joey - Känguruhbaby im Beutel bzw. noch ganz jung
  17. Kiwi - steht expliziet für die Neuseeländer ;-), erst in zweiter Linie für die Früchte und vielleicht meint der eine oder andere auch ab und an tatsächlich diesen hühnergroßen flugunfähigen Vogel, den es nur auf Neuseeland gibt - und von dem die Bezeichnung für die federlosen flugunfähigen Zweibeiner abgeleitet wurde
  18. Loo - Toilette
  19. Mozzy - Mosquito, Mücke
  20. XXXX (sprich Fourix) - eine beliebte australische Biermarke
  21. Ute (sprich: Jut) - ein Utility, ein Kleinlaster, wie Simon ihn z.b. auch fährt (kleine oder mittlere Fahrerkabine und dahinter eine Ladefläche, an sich aber alles insgesamt nicht größer als ein PKW).
  22. Servo - ist die Tankstelle (Service-Station)
  23. Stubby - australische Bierflasche, Fassungsvermögen 375 ml.
  24. Stubby-Cooler - ist dann der kühlende "Überzieher" für diese Flaschen (gibts natürlich auch für die Bier- und Brausedosen)
  25. Smoko - eine Raucher- oder Kaffee-Pause  
... puh. Ich hab bestimmt ne Menge vergessen. Na, Mel, wo bleibt dein Einsatz? Du hattest doch letztens auch ein paar Abkürzungen parat, die ich nur auf Grund des Zusammenhangs im Gespräch identifizieren konnte. Hab ich aber schon wieder vergessen. Siehste. Sowas nennt man selektives Denken *breitgrins*.
Na, dann habt mal alle einen schönen entspannten Vorheiligabendseinkaufstag oder was auch immer Ihr heute anstellt. Happy Holiday!