Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt - sieh sie Dir an.
Kurt Tucholsky, 09.01.1890 - 21.12.1935, dt. Schriftsteller

Sonntag, 3. Januar 2010

29.12.2009
Nachts gab es ein herrliches Gewitter, aber gegen Morgen hatte sich das verzogen. Wir besuchten die "Stockman Hall of Fame", ein Museum, in dem man alles über die Besiedlung Australiens durch die Europäer und einiges über die Aborigines erfährt. Und man bekommt einen Einblick in den harten Alltag der Viehtreiber und Farmer-Familien mit unendlich vielen teils über hundert Jahren alten Ausstellungsstücken, vielen authentischen Geschichten und einer Menge Filme, die über das Leben damals und heute berichten. Ein tolles Museum ...



Simon zeigt auf Brisbane, Pascal auf Longreach. Ganz schöne Strecke, zumal wir ja nicht den Luftweg genommen haben ;-)



Diese volle Kutsche eines Gemischtwaren-Händlers war nicht das einzige hochinteressante Ausstellungsstück. Und das gravierte Emu-Ei ist ca. 80 Jahre alt.

Mittags verabschiedeten wir uns von Longreach machten uns auf zum eigentlichen "Ziel" dieses Urlaubs. Denn Simon und Pascal hatten ja vor, in den "Gemfields" westlich von Emerald nach Edelsteinen zu suchen. Nächstes Ziel war nun Sapphire. Wir kamen durch Barcaldine mit einem einladenden Hotel am Straßenrand. Nee, sorry, wir müssen weiter.

und wurden am Ortsausgang wieder einmal (wie schon so oft auf unserer Tour) vor Vieh auf zaunlosen Straßen gewarnt. 

Am Straßenrand tauchten nicht nur wiederholt die Emus und Känguruhs auf, sondern auch Dromedare, die aber netterweise NEBEN den Straßen ihrer Wege gingen. Es dauerte trotzdem keine halbe Stunde, und wir standen. Und zwar vor einer Rinderherde, diesmal stilvoll getrieben von Jillaroos (Cowgirls) und Jackaroos (Cowboys). Den Anblick genossen wir erst mal eine Weile, hat ja auch was!


Dann erreichten wir Jericho. Genau - und dazu mussten wir nicht einmal den Kontinent wechseln ;-) Kaum hatten wir das Gespann geparkt und die Türen geöffnet, schallte es einladend von der anderen Straßenseite "Free beer in the Pub!!!".

Hm, normalerweise gern, aber wir hatten ja noch ein Stückchen Weg vor uns, also lehnten wir schweren Herzens ab. Es war Zeit für ein Nachmittags-Päuschen und ein Eis. Ausserdem war Jericho nicht nur super süß und klein (ca. 200 Einwohner), sondern rühmt sich auch, das kleinste Drive-In-Autokino Australiens zu besitzen. Na, das wollten wir uns natürlich ansehen. Und hätten es fast ÜBERSEHEN. 36 Plätze hat es (steht im Reiseführer) ...hier ist es:

Niedlich, oder? Zumal ich solche Kinos bislang nur aus Filmen kannte. Das Häuschen mit den öffentlichen Toiletten ist liebevoll bemalt.

Im Shop gabs nicht nur Lebensmittel, sondern auch jede Menge Souveniere und - im hinteren Bereich ein kleines privates Museum, in das wir freundlich eingeladen wurden.


Es war kurz vor 4, wir hatten noch ungefähr 300 km vor uns und so verabschiedeten wir uns nach einer halben Stunde von der Ladenbesitzerin und nahmen wieder den Highway unter die Räder.

Gegen 7 erreichten wir unser heutiges Ziel: Sapphire, ein kleines Kaff mitten in den Central Highlands und mitten in Edelsteinfeldern. Mit eindeutig mehr 4- als 2-beinigen Bewohnern selbst mitten im Ort. Wir buchten im "Blue Gem Caravan Park" ein und machten uns "seßhaft". Das nächste Gewitter nahte. Also Zelt aufbauen, bevor der Regen kommt - und dann erst mal ausatmen und den kleinen Barbie anwerfen, um das Abendessen zu grillen.
Während unserer Abwesenheit gab es auch hier an unserer Küste ausgiebige Niederschläge. 40 mm hat unser Regenmesser gemessen. Und inzwischen ist hier ein heftiges Gewitter mit sintflutartigem Regen herunter gekommen - brachte 50 mm Regen, oder - in unserer neuen Maßeinheit gemessen - eine Poolfliese Wasser. Mel, ich glaube, du hast recht, nun hat die sogenannte "wet season", die Regenzeit, eingesetzt. Und wir hatten mit dem Wetter auf unserer Tour doch mehr oder weniger wieder einmal wie schon so oft "Schwein". ;-)

28.12.2009


In der Nacht störten und weder Rindviecher noch sonstige Bewohner dieser weitläufigen Gegend. Einzig ein paar Vögel hörte man die ganze Nacht hindurch bis zum Morgengrauen zwitschern, aber sowas stört UNS ja nun nicht wirklich. Während Batida versuchte, das Outback aufzuräumen, genossen wir ein leckeres Frühstückchen.



Und gerade, als wir quasi fertig zur Weiterfahrt waren, entdeckte Pascal den platten Reifen. Was bedeutete: Alles aus dem Heck des Autos raus räumen, um an den Wagenheber ran zu kommen (praktischer Weise hat Herbie ja sein Ersatzrad an der hinteren Wagentür). Frei nach dem Motto: "Irgendwas kann jeder" hatte Simon dann innerhalb von 10 min den Reifen gewechselt (Auto aus- und wieder einräumen nicht mit gerechnet). In dem Reifen steckte ein Nagel - den fand Simon sofort. Und später stellte sich heraus, dass eine Menge Knochensplitter (vermutlich von den vielen Kadavern, die auf der Straße lagen und denen man eben nicht IMMER ausweichen konnte) zusätzlich den Reparaturversuchen des Reifendienstes die Krone aufsetzten. Natürlich haben sie es hinbekommen - und für die Tour bis nach Hause reichte er als Reserverad aus.



Dann gings aber endlich weiter in Richtung Longreach und gegen halb 11 erreichten wir das süße Outback-Städtchen, Heimat von QANTAS, gespickt mit vielen Sehenswürdigkeiten / Museen und mit einem unvergleichlichen Charme.




Dieser Campingplatz war hundefreundlich (laut unserem "Holiday with Dogs" Reiseführer) und wir fanden schnell ein Plätzchen. Der Inhaber war genauso urig wie der Platz. Herrlich gemütlich.



Diese Temperaturen kannten wir ja nun schon von der Küste, hat uns also nicht wirklich geschockt. Aber trotzdem: irgendwie schwitzt man im Outback doch "anders" - es ist nicht so stickig und schwül. Klar, der Schweiß läuft trotzdem, aber wider Erwarten hatten wir hier mit den Temperaturen viel weniger Probleme.
Nachmittags erforschten wir das QANTAS Museum und gönnten uns diverse Führungen durch die Maschinen, die auf dem Hangar des Museums standen. Das Museum liegt direkt neben dem Flughafen. Irgendwie logisch ;-)





Wir stehen "hier" in einer der Turbinen einer Boeing 747-200. Das Fahrwerk ist auch nicht zu verachten. Reifenwechsel? Dann doch lieber an unserem Herbie. ;-)



Okay, Pascal. Über 900 Schaltknöpfe in diesem Cockpit. Ich würde mal sagen: Fang schon mal an zu üben, wenn du wirklich Pilot werden willst.

Nach dem vielen "Lernen" im Museum gabs Pizza, natürlich selbst gekauft. Bei der Gelegenheit ein bisschen Stadtbummel in Longreach, immer hin knapp 3.700 Einwohner zählend. Der Bahnhof ist nicht das einzige Schmuckstück in diesem Örtchen (das genau genommen bevölkerungsmäßig mit Beachmere gleich zu setzen ist).


Auch die Einkaufsmeile ist niedlich - im typischen Stil viele Outback-Städtchen. Leider haben eine Menge Geschäfte Weihnachtsferien.


Werden hier Merinoschafe gebacken? *grins*


Weiter gehts oben mit dem 29.12. (und ja, die Pizza von Eagle Boys war natürlich sowas von lecker. Hmmmm).

Samstag, 2. Januar 2010

So. Und nun gehts weiter. Wir sind aus dem Outback-Urlaub zurück, der leider viiiieeel zu kurz war, und haben jede Minute ausführlich genossen. Unsere Tour war für die nur 9 Tage doch ziemlich gewaltig, so im Nachhinein betrachtet. Aber wir haben eine Menge gesehen und nicht nur über Land und Leute, sondern auch übers Campen viel gelernt (vor 2 Jahren mit einem Wohnmobil, diesmal mit einem Zelttrailer - dazwischen liegen wirklich WELTEN).

27.12.2009
Wir hatten den Regen ja auf der ganzen Tour immer wieder dabei, und auch in Charleville gab es ausgiebige Niederschläge, wie schon weiter unten kurz berichtet. Simon und Pascal haben sich die Sternenwarte angesehen und eine interessante 3stündige Privat-Führung (auf Grund mangelnder Gäste) genossen. Am 27.12. wird alles für die Weiterfahrt vorbereitet. Eigentlich wollten wir das Bilby-Zuchtcenter noch besuchen, aber es ist leider an Wochenenden und Feiertagen geschlossen. Schade. Beim nächsten Mal also! Unser kleines mobiles Zuhause war dicht, es regnete nirgends durch - das kannten wir ja von diversen Veranstaltungen auf deutschem Boden durchaus auch anders. Von den dazu gehörigen Temperaturen mal ganz abgesehen. In Charleville hatten wir angenehme 25°C und teils 100% Luftfeuchtigkeit.


Man fährt also knappe 800 km ins LANDESINNERE, um eine Beach-Party-Einladung zu finden. Toll! ;-) Und was uns irgendwie ebenfalls verfolgt, sind Gartenzwerge ...




Die Männer besorgten Eis (für die Kühlung des Esky und für die Kühlung des Gaumens) - und dann gehts es weiter in Richtung Longreach. Unser nächstes "großes" Ziel auf unserer Tour. 


Die Sittiche, die hier rumflattern, haben wir an der Küste noch nicht gesehen. Hübsche, farbenfrohe Gesellen!
Wir stoppten in Tambo, weil ich eigentlich in den kleinen Teddie-Shop wollte, in dem Teddies von Hand aus Schaffell gefertigt werden. Doch leider standen wir auch hier vor verschlossenen Türen. Also auch hier: beim nächsten Mal! 


Neben dem Einfallsreichtum in Sachen "Briefkasten" liebe ich an den Australiern ja auch die  Ideen für die gerade im Outback wirklich hübschen Ortseingangsschilder.

Wie gesagt, der Teddie-Shop hat leider zu - also gehts weiter. Am Straßenrand finden sich Kakteen, so groß wie Bäume.

Und unendliche Weite bis zum Horizont und ... natürlich auch bis zum nächsten Ort. Teils kamen uns stundenlang keine Autos entgegen, kein Anzeichen von Besiedelung, abgesehen von den Rindern und Ziegen auf den riesigen Weiden. Um so faszinierender wirken dann die Gewitter, die sich um einen herum zusammen brauen, man fühlt sich irgendwie wie auf einem einsamen Planeten. Und dabei sind wir noch nicht mal richtig drin im OUTBACK.





Einsame Highways auf dem Weg ins Outback. Ohne Gefahr kann man am Straßenrand ein Päuschen einlegen und den süßen Duft von Känguruh- und anderen Kadavern "genießen", der uns während unserer gesamten Tour begleiten sollte. Irgendwann kam dann sogar der Punkt, wo wir was vermissten, als wir am ersten Tag des neuen Jahres bei Emerald dann wieder Richtung Heimat abbogen - wobei wir uns nicht sicher waren, ob es die Trilliarden Fliegen oder der Mundgeruch des heißen Outbacks war ;-) Wildschwein gefällig?



Wenn die Apotheke sich "Outback-Apotheke" nennt, dann kann man wohl mit Fug und Recht behaupten, das Outback erreicht zu haben ;-)


Rund herum kamen immer wieder schwere Regengüsse runter, aber bis zu unserem nächtlichen Rastplatz blieben wir selbst von solchen Einlagen verschont. Und es blieb auch weiterhin trocken auf der Straße. Zum Glück ...

Die Straßen waren aber auch ohne Regengüsse teils temporär unpassierbar: Pferde- und Rinderherden, Schafe, riesige Echsen, Emus, natürlich auch Känguruhs - all diese Tierchen sahen oft garnicht ein, dass sie mal n bisschen "Rücken" müssen, damit wir durch kommen. Wir bewegten uns auf Straßen, die einfach keine Zäune besaßen. Alles lief hier hinten frei rum. Wenn das kein glückliches Viehzeug ist, weiß ichs auch nicht.




Wir beschlossen, die nächste Nacht im Outback direkt zu verbringen. Bis nach Longreach schafften wir es nicht, die Strecke war zu weit. Also taten wir das, weshalb wir eigentlich unterwegs waren: In der Wildnis campen. Und so schlugen wir unsere Zelte nördlich von Isisford auf, ca. 20 km hinter dem kleinen Kaff (mehr ist das wirklich nicht, aber niedlich ist es trotzdem).


Wir hatten zwar keinen sternenklaren Himmel, aber doch immerhin einen tollen Sonnenuntergang und eine sowas von ruhige Nacht!!! Was am nächsten Morgen passierte ... lest ihr weiter oben. Jetzt brauch ich erst mal ne Mütze voll Schlaf. Bis denni.



... das wünschen wir unserer Familie, unseren Freunden und allen Lesern dieses Blogs.
Happy New Year!!!